Internetwerbung wird immer wichtiger

Geschrieben von am 28. Februar 2011 | Abgelegt unter Online-Marketing

Heute wurde bekannt gegeben, dass der Online-Werbemarkt für das Jahr 2010 ein Wachstum von 26% verzeichnen konnte (Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.).  Mit brutto Gesamtinvestitionen von 5,4 Milliarden Euro ließ das Internet erstmals die Zeitungen hinter sich und gilt somit als zweitstärkstes Werbemedium in Deutschland.


Bild: internetworld.de

Der Anteil von Internetwerbung am Mediamix beträgt mit 19.2% inzwischen fast ein Fünftel des gesamten Werbeetats. Nicht zu rütteln ist an der unangefochtenen Nummer eins. Diese ist weiterhin die Sparte Fernsehen mit 39.1 Milliarden Euro Anteil am Werbebudget- einem Anstieg von 1,3% im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Betrachtet man nun aber alle Veränderungen zu 2009 konnte das Internet mit einem Zuwachs von 2,7% der gesamten Werbeinvestitionen, das größte Wachstum -mehr als zweimal so hoch wie TV- verbuchen.

Doch des einen Freud ist des anderen Leid! Denn während sich die Online (Internetwerbung) und TV Branche über den anhaltenden Aufwärtstrend, selbst in Zeiten der Finanzkrise, freuen können, geht es für den Bereich Print weiterhin bergab. Seit 2006 konnte der Anteil am Werbebudget im Segment Internetwerbung mehr als verdoppelt werden, die Bereiche Zeitung, Publ. Zeitschriften und Fachzeitschriften mussten zusammengenommen einen Rückgang von rund 17% am Anteil des „Bruttowerbekuchens“ verschmerzen.

Betrachtet man die Segmente der Internet-Werbung im Einzelnen fällt auf, dass wie bereits im Jahr zuvor die klassische Online-Werbung, zu welcher u.a. Pop-ups, Werbebanner und Layer Ads gehören am stärksten von dieser Entwicklung profitierte. Mit einer Zuwachsrate von 35% überschritt die klassische Internetwerbung erstmals die 3 Milliarden-Grenze.

Was uns bei webhelps! natürlich am meisten beschäftigt, ist das Suchmaschinen Marketing mit den Bereichen SEO und SEA. Hier konnte ein Zuwachs von 15% auf 1,9 Milliarden Euro Werbeinvestitionen verzeichnet werden. Somit liegt die Suchwortvermarktung an zweiter Stelle noch vor dem dritten Bereich, dem Affiliate-Marketing mit 339 Millionen Euro und einem Wachstum von 10%.


Bild: internetworld.de

Wirft man nun einen Blick auf die beliebtesten Werbeformate, fällt auf, dass großflächige Standartwerbeformen wie Wallpaper, Superbanner und Rectangle die ersten drei Plätze im Ranking belegen, gefolgt von Skyscraper, Medium Rectangle und Microsite. Aber auch Bewegtbildwerbung wird immer beliebter, Pre-Roll verzeichnet hier das stärkste Plus.

Abschließend schauen wir uns noch die allseits begehrten Prognosen an: der Online-Vermarkterkreis prognostiziert für das laufende Jahr ein Wachstum des Online-Werbemarkts von 16%. Das würde bedeuten, dass das Bruttowerbevolumen 2011 über 6 Milliarden Euro läge. Bedenkt man, dass das Medium Internet bereits des Öfteren die Erwartungen der Experten sogar noch übertroffen hat, kann die Online Branche recht optimistisch in die Zukunft schauen.

Wenn das so ist, muss ich mir um meinen Arbeitsplatz bei webhelps! Online Marketing wohl keine Sorgen machen, denn wie bezeichnete Paul Mudter, der Vorstand des OVK im BVDW die Online-Werbung nochgleich? Als „inzwischen unverzichtbaren Bestandteil einer ganzheitlichen Zielgruppenansprache“ und ein Werbemedium das „früher als erwartet“ den zweiten Platz im Kampf um den Werbeetat der Unternehmen belegte.  Dann warten wir mal ab, ob es dem Internet gelingt, ein weiteres Mal die Erwartungen der Experten zu toppen.

Guttenberg löst SEO Problem

Geschrieben von am 25. Februar 2011 | Abgelegt unter Allgemein, Google, Suchmaschinen-Optimierung

Karl-Theodor zu Guttenberg hat ein SEO Problem gelöst, das ihn schon lange beschäftigt hat.

gutenberg

Erklärung: Google zeigt Websites mit gleichen Inhalten nicht (bzw. versucht es zu vermeiden) in den Suchergebnissen an. Google will verschiedene und einzigartige Inhalte präsentieren, also “Unique content”. Ist jemand (z. B. der eigentliche Author) Karl-Theodor zu Guttenberg zuvor gekommen und die Inhalte sind in Google schon auffindbar, dann werden seine (kopierten) Inhalte mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit in Google angezeigt bzw. gefunden.

Anmerkung: Diese Behauptung entspricht nicht der Wahrheit, die Wörter wurden unserem Minister Karl-Theodor zu Guttenberg in den Mund gelegt.

Die beste SEO Agentur

Geschrieben von am 22. Februar 2011 | Abgelegt unter Google, Suchmaschinen-Optimierung

Die beste SEO Agentur? Oder die beste Vertriebs-Agentur?

Ich möchte heute eine amüsante und zugleich erschreckende Geschichte erzählen, die mir letzte Woche persönlich passiert ist. Ich erzähle diese wahre Story nicht, um eine bestimmte SEO Agentur an den Pranger zu stellen, deswegen werden auch keine Namen genannt. Ich verurteile aber die Vorgehensweise.

Einleitung

Wer unseren Blog schon länger liest, weiß dass ich etwas gegen schwarze Schafe habe, insbesondere natürlich gegen schwarze Schafe in der SEO Agentur- Landschaft. Wenn jemand mit seinen eigenen Projekten gegen die Suchmaschinen-Richtlinien verstößt, dann geht er das Risiko auf eigene Verantwortung ein.

Bild: e-social.com.br

Verstößt allerdings eine SEO-Agentur mit den Websites derer Kunden ganz bewusst gegen die Google Richtlinien reagiere ich allergisch darauf. Sie setzen die Existenz Ihrer Kunden auf das Spiel. Das mag vielleicht auch an meiner früheren Zeit bei Google liegen. Hier durfte ich reihenweise erleben wie unwissende Websitebetreiber von den „besten“ SEO Agenturen regelrecht abgezockt wurden:

Kaum SEO-Wissen, keine Transparenz, dafür aber  ein aggressiver Vertrieb mit Knebelverträgen und großer Rechtsabteilung.

Bei Firmen ohne Inhouse SEO’s bzw. Online Marketing Verantwortlichen funktioniert das leider ganz gut. Sie können die Angebote der Vertriebs-Agentur nicht richtig einschätzen, die Live Case Studies im Vertriebsgespräch sind beeindruckend.

Jetzt zum eigentlichen Akt in 5 Teilen

Ich arbeite zurzeit an einem Online Marketing Projekt in einem größeren Unternehmen. An einem Tag meldete sich ein Vertriebsmitarbeiter telefonisch um uns für einen Online-Shop zum Thema Reisen SEO zu verkaufen. Es handelt sich um eine größere „SEO“-Agentur in Deutschland mit aggressivem Vertriebsnetz. Diese Chance wollte ich nicht verpassen, um mir auch mal Suchmaschinenoptimierung live  verkaufen zu lassen und ich habe mich als SEO-unwissend präsentiert.

1.Akt: Vertriebsgespräch

Der Verkäufer stellt sich vor und zeigt auf, dass unsere Website aktuell nur in der Paid Search zu finden ist. Deren Agentur ist Spezialist für die nichtbezahlte, natürliche Suche und Sie bringen uns hier ganz nach oben. Er klingt sehr überzeugend. Zuerst wird gezeigt, wie gut die eigene SEO-Agentur in Google gefunden wird, dann ein Praxisbeispiel eines Referenzkunden. Direkt im Anschluss die Aussage:

Verkäufer:

„Wir sind auch Google zertifiziert“.

Nach dem Aufzeigen eines SEO-Beispiels suggeriert er ein SEO-Zertifikat von Google, so kommt es herüber.

Jetzt melde ich mich zu Wort:

„Soweit ich informiert bin vergibt Google keine SEO-Zertifikate.“

Die Verkäufer:

„Doch natürlich, sie sehen das Zertifikat doch auf unserer Website“

Ich:

„Aber nicht für SEO, da bin ich mir ziemlich sicher.“

Verkäufer:

„ Ja stimmt,  das Zertifikat ist für den SEM-Bereich.“

Ich, ok zugegeben etwas genau nehmend:

„Laut korrekter Definition ist SEO ein Bestandteil von SEM, also glaube ich nicht, dass da SEM auf dem Zertifikat steht.“

Verkäufer:

„Doch, klicken Sie doch auf das Zertifikat auf unserer Website.“

Ich:

„Ja, da steht Google AdWords Certified Partner, also der Bereich SEA von Google. Mich stört hier, dass Sie mit der Reihenfolge Ihres Verkaufsgesprächs suggerieren, dass das offizielle Google Zertifikat auch für den SEO- Bereich gilt. Aber egal machen Sie mal weiter mit Ihrer Präsentation.“

FAKT: Es gibt kein SEO-Zertifikat von Google. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das in naher und ferner Zukunft der Fall sein wird.

Hier habe ich eigentlich schon eine Duftmarke gesetzt, aber der Verkäufer lässt sich nicht von seiner Mission abbringen, wird nicht misstrauisch und präsentiert ganz normal weiter. Er zeigt einige Kundenbeispiele und wie erfolgreich sie sich platzieren. Teilweise extreme Nischen, aber beeindruckend sind die Topplatzierungen für den Unwissenden trotzdem.

Ich:

„Arbeiten Sie Google richtlinienkonform? Wir sind eine große Marke und es ist ganz wichtig, dass hier nichts riskiert wird, das können wir uns nicht erlauben.“

Verkäufer:

„Ja aber natürlich, bei uns ist in 14 Jahren noch nichts passiert. So etwas wie bei BMW würde uns nie passieren!“

Aha, ob ich da glauben soll? Trotzdem bitte ich den Verkäufer mir ein Angebot zuzusenden.

Bei einigen Websites der Kundenbeispiele fallen mir Verstöße gegen die Google Richtlinien auf. Auch verlinken alle Websites auf die SEO Agentur  zurück, oft ganz prominent von der Homepage , teilweise versteckt. Eine der Websites  (ein Shop) verstößt gravierend gegen die Richtlinien, ich fülle einen Spam Report aus, um den Verstoß bei Google zu melden.

2.Akt: Angebot

Im Anschluss an das Gespräch wird das Angebot bzw. der vorgefertigte Vertrag per E-Mail zugeschickt. Die Konditionen des Vertrags sind schon „maximal vergünstigt“, aber nur wenn wir als Referenzkunde der SEO-Agentur auftreten und sie verlinken.

3.Akt: U. U. Abstrafung bzw. „Neuoptimierung“

Tatsächlich ist die Website 2 Tage später in Google nicht mehr zu finden. Sie ist komplett aus dem Index verschwunden, nicht mal für den Firmennamen (den mir  Google Suggest aber weiterhin vorschlägt) ist der Webshop noch zu finden. Auch die Suche mit dem “site” Parameter liefert keine Ergebnisse. Immerhin schaltet der Shop AdWords Werbung auf den Firmennamen, ein kleiner Rettungsanker.

Bild: ricardopomeranz.com.br


So ein Szenario tritt eigentlich nur bei einer Abstrafung von Google auf.  Ich kontaktiere einen Tag später den Verkäufer per E-Mail:

„vielen Dank für das Angebot.

Ich habe noch eine Rückfrage. Bei der Vorbereitung der Materialen für die interne Kommunikation konnte ich das Praxisbeispiel „xyz“ bzw. „zyx“ von zxy nicht mehr in Google finden. Können Sie mir hier weiterhelfen?

Was wäre denn der Preis ohne Vergünstigung? Wir nehmen eigentlich generell keine Referenzen unserer Dienstleister auf unseren Websites auf, das hat politische und rechtliche Gründe.”

Die Antwort kommt schneller als erwartet.

„vielen Dank für das freundliche Telefonat und Ihre Antwort. Ich bin selbst ein wenig überrascht gewesen, habe mich in der Technik bezüglich der Ergebnisse von zxy informiert und dort erfahren, dass derzeit eine umfangreiche Neuoptimierung stattfindet. Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck daran, die Ergebnisse weiter zu verbessern und müssen aus aktuellem Anlass die OnSite Optimierung modifizieren.“

Meine andere Frage wird auch noch per E-Mail geklärt:

„Ohne Vergünstigung (wenn Sie nicht als Referenzpartner auftreten möchten) werden die monatlichen Kosten um x,- € steigen.“

Anmerkung: Das “x” sind ca. 30 % Steigerung zum Angebotspreis.

Das ist schon der Hammer. Ich würde mal hier an dieser Stelle behaupten, dass das eine direkte und dreiste Lüge ist. Ob von der IT oder vom Verkäufer, das sei mal dahin gestellt.

FAKT: Selbst bei einer „umfangreichen Neuoptimierung“ werden sämtliche Seiten von Google nicht von heute auf morgen aus dem Index genommen. Google ist keine Live-Suche.


4.Akt : Reinclusion

Beim Web-Shop werden die gegen die Richtlinien verstoßenden Inhalte entfernt. 2 Tage später ist die Website mit den gleichen Rankings wieder in Google zu finden. Wenn ich davor von einer Abstrafung ausgegangen bin, dann gehe ich hier mal von einem erfolgreichen Wiederaufnahmeantrag aus.  Das ist auch gerechtfertigt, schließlich ist die Website wieder „sauber“. Wie das plötzliche Verschwinden allerdings den Shop-Betreibern erklärt wurde, bleibt im Ungewissen.

5.Akt: Nachbesprechung

Es kommt der Anruf von der SEO Agentur, um mitzuteilen, dass alles wieder perfekt läuft. Diesen Anruf habe ich erwartet, schließlich ist die Website wieder bei Google zu finden und meine Bedenken können ausgeräumt werden.

Ich:

“Warum wurde der Kunde denn nicht mal mehr für seinen Namen gefunden, soweit ich weiß ist Google doch keine Live Suche, das ist schon komisch?“

Verkäufer:

Das war mit dem Kunden so abgesprochen und für die umfangreiche Neuoptimierung erforderlich, dafür ranken wir jetzt besser als je zuvor.

Ich:

„So etwas könnten wir uns nie leisten, wir sind eine bekannte Marke. Dieser Zustand darf bei SEO-Änderungen bei uns nicht eintreten, wir müssen ununterbrochen für unseren Markennamen in Google gefunden werden.“

Verkäufer:

„Das würde bei Ihnen auch nie so passieren, natürlich nicht. Da gehen wir anders vor und wie gesagt war das vorher mit dem Kunden abgesprochen.“

Ich:

Warum muss ich x € extra bezahlen, wenn ich nicht will dass Sie uns als Referenzkunden aufnehmen. Damit sind Sie dann schon deutlich teurer als die Konkurrenz.

Verkäufer:

Weil wir die Besten sind!

Die schmutzigen kleinen SEO-Tricks

Geschrieben von am 17. Februar 2011 | Abgelegt unter Allgemein, Google, Suchmaschinen-Optimierung

Interessantes übersetzt: Artikel „The dirty little secrets of search“ erschienen in der New York Times am 12.02.2011 (Bild: NY Times)

Stellen Sie sich kurz vor, Sie wären eine Google Suchmaschine und jemand sucht nach dem Begriff „dresses“ (Kleider). Was wird wohl das erste Suchergebnis sein, das die Google Suche anzeigt. Natürlich gibt es jetzt unzählige Möglichkeiten. Vielleicht fällt Ihnen als erstes Macy’s ein, der größte Kaufhausbetreiber in den USA oder eine große Modehauskette, wie J.Crew oder Gap (zu vergleichen mit C&A in Deutschland). Vielleicht aber auch ein Artikel bei Wikipedia zu dem Thema der geschichtlichen Entwicklung der Rocklänge.

Okay, wie sieht es mit dem Wort „bedding“ (Bettwäsche) aus? Bed Bath & Beyond, Wal-Mart oder aber auch die Bettwäschesektion bei Amazon scheinen logische Kandidaten im Rennen um den ersten Platz des Google-Rankings zu sein.
Nun „Area rugs“ (Teppiche)? Hier wären Crate&Barrel, Home Depot, Sears und Pier 1 Möglichkeiten oder eben eine Website mit dem Bergiff „Area rug“ im Namen z.B. arearugs.com.

Bestimmt können Sie sich duzende Anwärter für jede dieser Suchanfragen vorstellen. Jedoch tauchte in den letzten Monaten ein Name mit verblüffender Regelmäßigkeit an erster Stelle der Suchergebnisse von Google auf: J.C.Penney.
J.C.Penney ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit rund 1.100 Filialen in den USA. Das Sortiment umfasst sowohl Kleidung, Schuhe, Schmuck, als auch Möbel oder Gesundheitsprodukte.

Nicht nur für die Begriffe „Area rugs“, „dresses“ und „bedding“ erschien J.C.Penney als erstes Suchergebnis der Google-Suche, sondern auch für Suchanfragen wie „skinny jeans“, „home decor“ (Innendekoration), „comforter sets“ (Daunendecken-Sets), „furniture“ (Möbel) und unzählige andere Wörter und Phrasen. Von allgemeinen Begriffen wie „tablecloths“ (Tischdecken) bis hin zu sehr spezifischen Suchanfragen, wie „grommet top curtains“ (Vorhänge mit einer Durchzieh-Öse oben).
Diese auffallend erfolgreiche Performance hielt über Monate hinweg an, am deutlichsten konnte man dies in der Vorweihnachtszeit bemerken- der Zeit in der die Absätze im Online-Shopping am höchsten sind. J.C.Penney lies selbst die Internetauftritte der Hersteller, bei der spezifischen Suche nach deren Produkten, hinter sich. Suchte man beispielsweise nach „Samsonite carry on luggage“ (Samsonite Handgepäck), erschien monatelang J.C.Penney als das erste Suchergebnis, noch vor dem Hersteller Samsonite.com.

Mit über 1.100 Filialen und einem Umsatz von $17,8 Milliarden in Jahr 2010, gehört Penney sicherlich zu den wichtigsten Akteuren des amerikanischen Einzelhandels. Jedoch ist das erklärte Ziel der Google-Suche, jede Ecke des Internets nach den relevantesten Seiten zu durchforsten.

Sagt das gesammelte Wissen des Webs wirklich, dass J.C. Penney die wichtigste Website für die Suchanfrage „dresses“ bereitstellt? Und „bedding“? Und „area rugs“? Neben duzenden anderen Begriffen?

Die „New York Times“ beauftragte Doug Priece, einen Experten  auf dem Feld der Online Suche von  Blue Fountain Media New York, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, ebenso wie der erstaunlichen Suchanfragen-Performance von J.C. Penney während der letzten Monate. Was er herausfand weist darauf hin, dass es sich bei der in der heutigen Zeit alltäglichen Handlung, der Google-Suche, oft um nichts anderes als um Machenschaften handelt, die Schicht für Schicht zu Tage treten. Diese Machenschaften beginnen in der weiten Unterwelt der sogenannten „black hat“-Optimierung. Der dunklen Kunst, das Profil einer Website mit Methoden, die von Google als betrügerisch bewertet werden, an die Spitze der Suchergebnisse zu befördern.

Trotz der Cowboy-Verbrecher-Assoziation sind „black-hat“-Dienstleistungen meistens nicht illegal, handeln jedoch mit dem Risiko den Zorn von Google auf sich zu ziehen. Das Unternehmen zieht eine strikte Linie zwischen Techniken die als irreführend gelten und „white hat“-Lösungsansätzen, welche von hunderten Beratungsunternehmen angeboten werden und richtlinienkonforme Wege die Sichtbarkeit einer Website zu erhöhen darstellen. Die Penney Ergebnisse kamen, laut Doug Priece, durch Methoden von der falschen Seite zustande.Er beschreibt die Optimierung, als einer der ambitioniertesten Versuche die Google Suchergebnisse zu manipulieren, die er je gesehen hat.

„Eigentlich war es der ehrgeizigste Versuch, der mir je untergekommen ist, die ganze Sache hat mich schlichtweg umgehauen. Besonderst wenn man bedenkt, um was für ein großes Unternehmen es sich handelt. Da sollte man doch davon ausgehen, unter den Angestellten gäbe es einige die es besser wissen.“

Um die Strategie zu verstehen, welche Penney in der Top-Position bei so vielen verschiedenen Suchanfragen gehalten hat, muss man sich bewusst machen, wie Webseiten bei der Google-Suche aufsteigen. Wir reden hier über die natürlichen Suchergebnisse, also diejenigen bei denen es sich nicht um bezahlte Werbung handelt. Der Google Algorithmus bezieht dutzende verschiedene Kriterien mit ein (offiziel über 200 Faktoren), um die natürlichen Suchergebnisse zu ermitteln, viele dieser Kriterien werden von Google geheim gehalten. Ein wichtiges Kriterium jedoch sind Links von einer Seite auf eine andere.

Angenommen man hat eine Webseite über “chinesische Küche”. Dann wird sich diese Seite im Google Ranking verbessern, wenn mehr Links auf diese Seite verweisen, insbesondere von relevanten Seiten, also Seiten die sich mit derselben Thematik befassen. Google misst so die Beliebtheit einer Seite, indem der Link zu einer anderen Seite als Bestätigung für diese Seite gilt.

Aber auch Links von Seiten, die absolute nichts mit chinesischer Küche zu tun haben, können die Platzierung der Seite verbessern, wenn es genügend sind. Hier kommen wir zur der Strategie, die Penney geholfen hat. Jemand bezahlte dafür, dass tausende Links auf hunderten Seiten verteilt im gesamten Web platziert wurden, die alle direkt zu JCPenney.com verwiesen.
Wer war das? Eine Sprecherin von J.C.Penney, Darcie Bossart, bestritt, dass das Unternehmen irgendetwas mit der Sache zu tun hat.

„J.C. Penny hat niemand dazu befugt und war nicht selbst involviert bwz. informiert, über die Veröffentlichung der Links, da es gegen unsere natürlichen Suchrichtlinien verstößt.“

schrieb Darcie Bossart in einer E-Mail. Sie fügte hinzu, dass sie daran arbeiten würden die Links zu deaktivieren.
Mit Hilfe des Online Tools Open Site Explorer, fand Doug Priece 2.015 Seiten mit Begriffen wie „casual dresses“, „evening dresses“, „little black dress“ oder „cocktail dress“. Klickt man auf einen dieser Begriffe wird man direkt auf die Hauptseite für Kleider auf JCPenney.com weitergeleitet.

Einige dieser 2.015 Seiten haben zumindest nominell etwas mit Kleidung zu tun, die meisten jedoch gar nichts. Der Begriff „little black dress“ tauchte auf einer Seite namens casino-focus.com auf. „Cocktail dresses“ wurde auf bulgariapropertyportal.com, „Casual dresses“ auf elistofbanks.com und „semi-formal dresses“ unpassenderweise auf usclettermen.org gefunden.

Es finden sich Links zu JCPenney.com auf Seiten über Erkrankungen, Kameras, Autos, Hunde, Aluminiumfelgen, Reisen, Tauchen, Diamantbohrer, Badzimmerfliesen, Hoteleinrichtung, Online Spiele, Gebrauchsgüter, Fischfang, Adobe Flash, Glasduschkabinentüren, Witze, Zahnärzte uvm.

Einige dieser Seiten scheinen, bis auf die Links, verweist. Der Begrüßungstext auf myflhomebuyer.com klingt wie eine traurige Glückskecks-Botschaft:

„Entschuldigung, aber Sie suchen etwas, dass Sie hier nicht finden.“

Wenn man sich die unfassbar lange Liste mit Seiten mit Penney-Links anschaut, erscheint die Internetlandschaft in einer ganz neuen Topografie. Es beginnt wie eine Stadt mit einigen wenigen bekannten und gut gepflegten Gebäuden umgeben von Millionen Hütten, die zu keinem anderen Zweck errichtet wurden, als für die Werbung die an ihren Wänden angebracht ist.
Das Ausnutzen dieser Hütten für Links ist ein absolutes Google no-go. Die Unternehmensrichtlinien warnen vor Tricks um das Suchmaschinen-Ranking zu verbessern, einschließlich denen die als „link schemes“ bezeichnet werden. Eine Strafe wenn man bei dem Versuch erwischt wird die Google Richtlinien zu umgehen, ist z. B. das Absinken in der Platzierung der Google-Suchergebnisse.

Das ist eine u. U. radikale Vorgehensweise. 2006 gab Google bekannt, dass BWM dabei erwischt wurde, wie das Unternehmen eine „black-hat“ Strategie nutzte, um seine deutsche Seite BMW.de zu pushen. Diese Seite wurde daraufhin mit der, wie die BCC es damals nannte „Todesstrafe“ abgestraft (Focus-Artikel dazu). Angefangen damit, dass die Seite aus den Google-Suchergebnissen komplett entfernt wurde.

BWM räumte ein, dass so genannte „doorway pages“, die einzig zu dem Zweck bestehen Suchmaschinen auf andere Seiten zu leiten als Besucher, genutzt wurden. Das Unternehmen behauptete damals, es habe keinerlei Absichten gehabt die User zu täuschen und fügte hinzu:

„Wenn Google sagt, alle „doorway pages“ sind nicht erlaubt, müssen wir das zukünftig bedenken.“

J.C.Penney scheint nun das selbe Schicksal zu blühen. Seit Mittwoch war es Gegenstand der, wie Google es nennt, „corrective action“.

Letzte Woche schickte die Times Google die Beweise, die sie gesammelt hatte über die Links zu JCPenney.com. Google setzte prompt ein Interview mit Matt Cutts, dem Kopf des Google Webspam Team und ein Mann dessen Reden, Blog-Einträge und Twitter-Updates von Akteuren der Suchmaschinen Welt zitiert werden wie päpstliche Enzykliken, an.

„Ich kann bestätigen, dass es gegen unsere Richtlinien verstößt“,

so Cutts während eines stundenlangen Interviews am Mittwoch, nachdem er eine Liste der bezahlten Links zu JCPenney.com in Augenschein genommen hat.

Laut Cutts hat Google bereits dreimal Verletzungen der Richtlinien in Zusammenhang mit JCPenney.com untersucht, das letzte Mal im November 2010. Jedes Mal wurden Schritte in die Wege geleitet, welche die Penney Such-Ergebnisse reduzieren sollten. Cutts vermied hier das Wort Strafe (Penalty). Jedoch ist Google später nicht zurück zu dem Unternehmen, um zu prüfen, ob weiterhin Regeln verletzt wurden. Er und sein Team übersahen die Kampagne schlichtweg, welche bereits die letzten drei bis vier Monate am Laufen war.

„Wünschte ich mir unser System wäre dem Ganzen früher auf die Schliche gekommen? Natürlich! Wenn man jedoch die eine Milliarde Anfragen bedenkt, die Google täglich erhält, würde ich behaupten, dass wir gute Arbeit leisten.“

Matt Cutts klang während der gesamten Unterhaltung bewundernswert optimistisch und unbeeindruckt, was eher überraschend ist bedenkt man, dass wir über einen groß angelegten, langwierigen Versuch sprachen, seine Mitarbeiter zu täuschen. Fragte man ihn nach seiner stoischen Ruhe, sagte er, dass das Unternehmen bemüht ist nicht von Ärger getrieben zu handeln. Man bekommt das Gefühl Cutts und seine Kollegen seien sich der unglaubliche Macht bewusst, die sie als Richter, Jury und Berufungsausschuss in einem haben und versuchten eine Umgebung von Reife und Klugheit zu schützen.
Er fügte hinzu „Ich gehe nicht davon aus, dass ich meinen Job richtig ausüben könnte, wenn ich mich nicht angegriffen fühlen würde von Sachen die schlecht für Google-Nutzer sind.“
„Bin ich froh, dass das alles passierte?“ fragte er später „Absolut nicht! Wird Google dagegen vorgehen? Absolut!“
Und das Unternehmen tat dies.

Am Mittwoch Abend begann Google mit einer so genannten „manual action“ gegen Penney.

Um 19 Uhr ostamerikanische Zeit war J.C.Penney noch immer Nummer eins bei der Suche nach „Samsonite carry on luggage“.
Zwei Stunden später war J.C. Penney auf Platz 71 gerutscht.

Um 19 Uhr ostamerikanische Zeit war Penney die Nummer eins bei der Suche nach „living room furniture“.
Um 21 Uhr waren sie nur noch auf Platz 68.

Mit anderen Worten, in einem Moment war J.C.Penney die Seite, die für „living room furniture“ als erstes angezeigt wurde. Im nächsten Moment waren sie sozusagen begraben.

Die Reaktion von Penney auf diese plötzliche Wendung, war unter anderem die sofortige Entlassung ihrer Suchmaschinen Beratungsagentur SearchDex. Die Verantwortlichen hier, reagierten weder auf Anfragen per e-Mail, noch auf Telefonanrufe.
Penney veröffentlichte ein Statement, in dem sie sich enttäuscht von dem Absinken in den Suchanfragen, welches von Google eingeleitet wurde, zeigten. Brossart schrieb

„aber wir werden aktive daran arbeiten unsere guten natürlichen Suchergebnisse wiederzuerlangen.“

Sie fügte hinzu, dass die Links sicherlich zusätzliche Besucher auf die Seite brachten, jedoch würde es sch hierbei schwerlich um einen Glücksfall handeln. Nur sieben Prozent der JCPenney.com Besucher kämen von Klicks auf die Suchergebnisse der natürlichen Suche bei Google, schrieb sie. Eine weitaus größere Profitquelle in der Adventszeit, behauptet sie, käme von Partnerschaften mit Unternehmen wie Yahoo und Times Warner, sowie von neuen Apps.

Laut Suchmaschinen-Experten kann es jedoch gut sein, dass Penney beachtlichen Lohn durch die bezahlten Links eingeheimst hat. Stellt man sich Google als Eingang zu dem größten Einkaufscenter der Welt vor, halfen die Links Penney mehreren Millionen Online-Käufer als das erste und einladenste Geschäft zu erscheinen. Wie viel war das Ganze wert? Eine letzten Mai veröffentlichte Studie von Daniel Ruby von dem 100.000 Seiten umfassenden Online Werbenetzwerk Chitika, fand heraus, dass durchschnittlich 34 Prozent der Google-Nutzer die Seite des ersten Suchresultats besuchten, nur noch halb so viele gingen zu der Website des Zweitplatzierten.

Der Suchwort-Kalkulatur von Google schätzt die Anzahl der Suche nach „dresses“ in den USA auf 11,1 Millionen im Monat, ein Durchschnitt der auf 12 Monaten Datenauswertung beruht. Demnach hat Penney, während es als Nr.1 gelistet war, alleine für die Suchanfrage „dresses“ rund 3,8 Millionen User in Monat auf seine Seite locken können. Wie viele dieser Besuche letztendlich in einem Kaufvertrag mündeten und den Umfang der Verkäufe, weiß alleine Penney.

Noch im Januar frohlockte das Unternehmen über das vorweihnachtliche Geschäft. Kate Coultas, eine Sprecherin des Unternehmens schrieb einem Reporter „Die Internetabsätze durch JCP.com konnten im Dezember ein starkes Wachstum verzeichnen. Eine signifikante Steigerung von Verkehr und Bestellungen gab es vor allem während der vorweihnachtlichen Haupteinkaufszeiten- der Woche nach Thanksgiving und der Woche vor Weihnachten.“

Einen beachtlichen Druck gute Adventsumsätze zu liefern, wurde seitens der Investoren auf J.C.Penney ausgeübt, das gegen die schweren Zeiten im Einzelhandel zu kämpfen hatte. Bei den 17,8 Milliarde Umsatz, welche es im letzten Jahr verzeichnete, handelt es sich um genau die gleiche Zahl wie 2001. Im Januar gab das Unternehmen bekannt, dass einige Filialen, die unter Erwartung wirtschafteten, geschlossen werden, ebenso zwei der fünf Callcenter und 19 Outlets, die überschüssige Katalogwaren verkaufen.

Zusätzlich zu den Problemen des Unternehmens kommt der Rückgang des Kataloggeschäfts. Penney hat schrittweise den Katalog gekürzt und das Geld in seinen Internetauftritt gesteckt. Jedoch konnten die Verluste des Kataloggeschäfts bislang nicht durch die Expansion der Website kompensiert werden. Der Katalog brachte zu seinen besten Zeiten J.C.Penney rund vier Milliarde Umsatz. Im Vergleich: durch die Website konnten im Jahr 1,5 Milliarde Umsatz erwirtschaftet werden.

Bernard Sosnick, ein Analyst bei Gilford Securities meinte „In den letzten 35 Jahren, versuchte Penney als Kaufhaus Akzeptanz zu erlangen und während ungewöhnlichen guten Zeiten gelingt ihnen das richtig gut. Aber in wirtschaftlich schlechteren Zeiten, werden sie von Kunden abgestraft, die sich bei Käufen zurückhalten nachdem sie übermäßig viel ausgegeben hatten.“

Viele Besitzer von Webseiten mit Links zu JCP.com scheinen ihre Unerreichbarkeit zu genießen. Aber es gab auch Ausnahmen z.B. cocaman.ch („Geekness- closer tot he world“ lautet der kryptische Banner über der Seite). Wie sich herausstellte gehört die Webseite einem gesprächigen 25-jährigen I.T. Security Analysten aus der Schweiz- Corsin Carnichel.

Der Begriff „dresses“ taucht in einer kleinen Linkansammlung in mitten einer größtenteils leeren Cocaman-Seite. Spricht man Carnichel auf den Link an, sagt dieser das der link laut seinen Aufzeichnungen letzten April auf seiner Seite auftauchte, vielleicht auch schon früher.
Der Link gelang durch die Website TNX.net auf Carnichels Seite. Diese bezahlt ihn mit TNX-Punkten, welche er für Links die Verkehr auf seine andere Seite leiten, wie beispielsweise cookingutensils.net. Carnichel verdient Geld, wenn die User die seine Seite besuchen auf die Werbung klicken. Er könne auch Geld von TNX bekommen, sagt er. Zur Zeit beherbergt Cocaman.ch 403 Links, alle platziert von TNX im Auftrag von Kunden.

“Man verdient recht gut”, schrieb er im Bezug auf seine Einnahmen von dem Links-Handel

„Die Sache ist die: je mehr Zeit und Geld man investiert, desto bessere Ergebnisse kann man erzielen. Momentan verdiene ich genug, um mir neue Testdevices für meine Android Apps (rund $150/Monat) zu kaufen ohne jeglichen Aufwand. Ich muss mich um nichts kümmern. Die Werbung steht einfach da und wenn die Besucher meiner Seite darauf klicken verdiene ich Geld.“

Versuche TNX selbst per E-Mail zu kontaktieren, blieben erfolglos.

Einen Anbieter, von so genannten „black-hat“-Leistungen, persönlich zu interviewen war eine aufwendige Unternehmung. Es handelt sich um einen zurückhaltenden Haufen. Ein Spezialist auf dem Gebiet des Link-Kaufs namens Mark Stevens, der jegliche Verbindung in Angelegenheit des J.C.Penney Link-Kaufs abstreitet, stimmte einem Gespräch zu. Er tat dies unter der Bedingung, dass der Name seines Unternehmens nicht erwähnt wird. Eine nachvollziehbare Vorsichtsmaßnahme, wenn man bedenkt, was vor einigen Monaten passierte, nachdem sein Unternehmen offensichtlich den Ärger Googles auf sich zog.

„Es war meine eigene Schuld“ gesteht Stevens ein. „Ich habe eine Stelle auf einer Stanford Engineering Absolventen Mailliste ausgeschrieben. Darin erwähnte ich den Name unseres Unternehmens, ebenso wie eine kurze Beschreibung unserer Tätigkeit. Ich gehe davon aus, dass einige Google-Angestellte auf die Anzeige aufmerksam wurden.“ Innerhalb von Tagen, war das Unternehmen in der Google-Suche nicht mehr zu finden.

“Selbst wenn man den Namen unseres Unternehmens wörtlich in das Suchfeld eingab, wurden wir nicht gefunden. Ansonsten konnte man uns überall finden, wenn man unsere Webadresse wusste. Aber was die Suche anging waren wir einfach verschwunden. Das Unternehmen arbeitet mittlerweile unter einem neuen Namen und hält sich mit Auskünften bedeckt, selbst innerhalb des Gebäudes in dem es angeblich ein Büro hat. Die Vermieterin des gläsernen halbhohen Gebäudes an der Route 101 in Kalifornien, sagt sie habe noch nie von der Firma gehört.

Stevens stimmte einem Treffen zum Abendessen auf Kosten der Times Mitte Januar zu. Dem Angebot ein „gutes Restaurant“ in seiner Nachbarschaft auszuwählen kam er insofern nach, als dass er ziemlich frech ein modernes französisches Bistro in Palo Alto wählte, das ein acht Gänge Menu für $118 anbot. Flüssiger Stickstoff und ein „Märchenkürbis“ waren zwei der Bestandteile.

Es stellte sich heraus, dass es sich bei Stevens um einen knabenhaft aussehenden 31-jährigen gebürtigen Singapurer handelt (Der Name Stevens sei der Name den er bei der Arbeit benutzt, er habe einen chinesischen Nachnamen, den er uns nicht verraten hat). Er spricht mit einem unauffälligen Akzent und in einem aufgeregten Flüstern, wie jemand der Mithörer befürchtet. Er beschreibt seine Arbeit mit der Art begeisterten, bösartigen Grinsens eines Studenten, der gerade eine Stinkbombe versteckt hat.

„Der Schlüssel ist, die Kampagne langsam anzugehen“, erklärt er an getrockneter Entenstopfleber knabbernd. „Viele Unternehmen handeln überstürzt. Sie wollen so viele Links wir besorgen können, so schnell wie möglich. Aber Google würde dies entdecken. Es markiert eine Website, die von Null auf mehrere Hundert Links in einer Woche geht.“

Der schwerste Teil beim Geschäft mit dem Link-Verkauf ist an die wohlhabenden großen Kunden zu kommen. Es scheint als befürchteten viele von ihnen erwischt zu werden. Des Weiteren ist es schwierig qualitativ hochwertige Seiten zu finden auf denen man die Links platzieren kann. Wer auch immer für die JCPenney.com Kampagne verantwortlich war, meinte er, vertraute auf einige billige, spammige Seiten, die Art von Seite mit niedrigen „PageRanks“, wie Google seine patentierte Maßeinheit bezüglich die Qualität einer Seite nennt. Umso höher der „PageRank“, desto besser für die Seiten die auf ihr verlinkt sind.

“Die Seiten die TNX am häufigsten benutzte haben einen niedrigen „PageRank”

meint Stevens.

Laut ihm, bekommen die meisten Besitzer von Internetseiten bzw. Publisher von Internetseiten, wie er sie nennt, eine geringe Vergütung für jeden Link. Dieser Geschäftsvorgang wird komplett über das Internet ausgeführt.
Publisher können bestimmte Keywords und Links ablehnen, so würden einige bei einem Unterwäsche-Link zurückschrecken, jedoch sei für die meiste Zeit das System in einer Art im Autopilot. Ein Kunde bezahlt Stevens und seine Kollegen für Links die übers Internet verteilt werden. Die Publisher werden per PayPal vergütet.

Man könnte meinen Stevens hätte zumindest eine gewisse Verachtung gegenüber Google, bedenkt man dass er seine Arbeitszeit damit verbringt, Mittel und Wege zu finden um Google zu hintergehen. Im verlauf des Abends erwähnte er jedoch wie viel Ehrfurcht er vor dem Unternehmen und der Qualität der Suchmaschine hat.

Wie rechtfertigt er dann seine Versuche diese zu untergraben?
“Ich denke wir müssen an dieser Stelle zwei verschiedene Arten von Suche unterscheiden- die um sich zu informieren und die kommerzielle.“ so Stevens „Wenn man nach dem Wort „Cancer“ (dt. Krebs) sucht, ist dies eine Suche um sich zu informieren und in diesem Bereich ist Google fantastisch. Was jedoch die kommerzielle Suche angeht, sind die Google-Ergebnisse verunreinigt. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass meiner Meinung nach immer derjenige an erster Stelle steht, der das größte Budget für Suchmaschinenoptimierung hat.“

Für ihr ist SEO ein Spiel und wenn man nicht gewillt ist „black-hat“-Methoden zu nutzen, verliert man gegen Konkurrenten mit weniger Gewissensbissen.
Warum ist es Google nicht gelungen diese Kampagne, die ja Monate lang im Gange war, früher aufzudecken? Einer Kampagne die einem Unternehmen zu Gute kam, gegen das Google bereits drei mal vorgegangen war? Und sich zudem auf eine Anzahl von Websites verlassen hat, die nicht gerade ihr Spamming zu verbergen versuchten?

Cutts betonte, dass es 200 Millionen Domainadressen und gerade mal 24.000 Beschäftigte bei Google gibt.
„Spammer hören nie auf.“ sagt er. Gegen diese Spammer anzukämpfen sei ein Job, der niemals endet und ein Job in dem Google immer besser und besser wird, glaubt Cutts.

Es gibt aber noch eine andere Hypothese, eine für Verschwörungstheoretiker. Im letzten Jahr erhielt Advertising Age ein Google Dokument, welches einige der größten Werbetreibenden aufgelistet hatte unter anderem AT&T, eBay und ,genau, J.C.Penney. Laut dem Dokument, gab das Unternehmen monatlich $2,46 Millionen Dollar für die bezahlte Suche bei Google aus. Die bezahlte Suche ist die, welche man neben den natürlichen Suchergebnissen sieht.

Ist es möglich, dass Google eine großflächige “black-hat”-Kampagne tolerierte, da es sich bei dem Profitierenden, um einen seiner wichtigsten Werbetreibenden handelte? Funktionäre der Europäischen Union versuchen gerade diese Art Fragen hinsichtlich eines möglichen Kartellmissbrauchs von Google zu erklären.

Ermittler haben Werbende in Europa unter anderem Fragen wie diese gestellt:

„Bitte erläutern Sie ob, und wenn ja, wie genau sich der Betrag, den Sie für Werbung bei Google ausgegeben haben, Ihren Rang in der natürlichen Suche bei Google beeinflusst hat.“

und

„Hat Google Ihnen gegenüber jemals erwähnt, dass eine Erhöhung der Werbeausgaben Ihre Platzierung innerhalb der natürlich Suche von Google verbessern könnte?“

Gefragt, ob Penney durch den hohen Werbeetat bei Google irgendeinen Aufschub, bekommen hat, antwortet Cutts „Das kann ich kategorisch ausschließen“. Leidenschaftlich erläutert er Googles Zusage, die finanzielle Seite des Geschäfts von der Such-Seite zu separieren. Das eine habe keinerlei Einfluss auf des andere.

„Wenn Sie mich nach fünf Namen von Entwicklern im Advertising Team von Google fragen würden, bezweifle ich dass ich Ihnen diese nennen könnte.“ sagte Cutts „Es gibt da ein altes Google Sprichwort

„Wir werden uns nicht um kurzfristige Umsätze sorgen.“

Er fügte hinzu, „Wir bauen auf das Vertrauen unserer Nutzer. Wir sind uns der Verantwortung ihnen gegenüber bewusst.“
Zusätzlich merkte er an, dass bevor die Times Hinweise auf die bezahlten Links zu JCPenney.com hatte, Google angefangen hat eine Änderung des Algorithmus vorzunehmen, der einen negativen Effekt auf die Suchergebnisse von Penney gehabt hätte.

Es stimmt die Platzierung von JCPenney.com hatte seit dem 8.Februar ein wenig abgenommen, der Tag an dem die Änderung des Algorithmus zu wirken begann. Für den Begriff „comforter sets“ fiel Penney vom ersten Platz auf den Siebten. Für „sweater dresses“ gings von Position eins auf Position 10.
Richtig zu spüren bekam Penney den Schaden jedoch erst, als Google anfing manuell gegen die Kampagne vorzugehen. Das Absinken kann nachverfolgt werden:

Am 1. Februar war die durchschnittliche Platzierung von Penney bei 59 Begriffen 1-3.

Am 8.Februar, als der Algorithmus geändert wurde war es der vierte Rang.

Am 10. Februar lag Penney im Durchschnitt nur noch an 52. Stelle.
Cutts sagte, er beabsichtigte nicht über die Sache mit Penney zu berichten, wie er es 2006 im Fall BWM getan hatte. Selten würde er ein Unternehmen öffentlich herausheben, da Googles Ziel sei die Seriosität der Ergebnisse zu wahren, nicht Menschen bloßzustellen.

„Aber nur weil wir nicht darüber reden, heißt das nicht dass wir keine gewichtigen Maßnahmen einleiten“

betonte Cutts.

Übernimmt DuMont die AOL-Stragie?

Geschrieben von am 14. Februar 2011 | Abgelegt unter Google, Suchmaschinen-Optimierung

Heute habe ich eine sehr interessante Pressemeldung auf Internetworld.de (Frisches Kapital für neue SEO-Produkte) gelesen.

Eine aus diversen Gründen bekannte SEO-Agentur hat sich zwei neue Investoren geangelt: die DuMont Venture Holding und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Das sind zwei sehr bekannte Unternehmen bzw. Institutionen, die in die Zukunft der Suchmaschinenoptimierung glauben. Das ist die positive Nachricht.

Noch interessanter ist allerdings die Konstellation (und die dahinter steckenden Gründe) dieser Partnerschaft:

DuMont will sich wahrscheinlich den “Qualitätsjournalismus” der AOL-Gruppe als Beispiel nehmen (http://www.businessinsider.com/the-aol-way).  Setzen wir ROI=Qualität mag das stimmen (zumindest kurzfristig gedacht). Ich denke, dass Google hier langfristig gegensetzen wird und kann (z. B. anhand von User Behaviour-Daten). Eine interessante Entwicklung, dass ein Verlagshaus in Deutschland in SEO-Expertise investiert, mit Blick auf die Monetarisierung fast innovativ (aber nicht neu). Anstatt gegen Google zu schießen und hetzen eröffnet man sich den Search-Vertriebskanal.

Beim zweiten Investor konnte ich mir eine verschmitztes Lächeln allerdings nicht verkneifen:  Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). V. a. wenn ich mir die Entwicklung der Sistrix-Sichtbarkeit der SEO-Agentur anschaue: Das könnte doch …

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Ob da die Investoren Ihre Hausaufgaben richtig gemacht haben? Investiere ich in eine SEO-Firma, die bei Google in letzter Zeit (immerhin schon seit einem guten halben Jahr), aus welchen Gründen auch immer,  stark an Sichtbarkeit verloren hat? So drastische Sichtbarkeitseinbussen in dieser konstanten Entwicklung kennen wir normalerweise nun mal nur von Google-Penalties oder technischen SEO-Fehlern (z. B. Domainumzug). Diese werden nur bei Verstößen gegen die Suchmaschinenrichtlinien vergeben (bzw. wenn Seiten zu minderwertige Qualität anbieten).

Aber vielleicht erklärt das auch die Zusammenarbeit mit dem zweiten Partner: Kreditanstalt für Wiederaufbau.

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