Die schmutzigen kleinen SEO-Tricks

Interessantes übersetzt: Artikel „The dirty little secrets of search“, erschienen in der New York Times am 12.02.2011 (Bild: NY Times)

Stellen Sie sich kurz vor, Sie wären eine Google Suchmaschine und jemand sucht nach dem Begriff „dresses“ (Kleider). Was wird wohl das erste Suchergebnis sein, das die Google Suche anzeigt? Natürlich gibt es jetzt unzählige Möglichkeiten. Vielleicht fällt Ihnen als erstes Macy’s ein, der größte Kaufhausbetreiber in den USA oder eine große Modehauskette, wie J.Crew oder Gap (zu vergleichen mit C&A in Deutschland). Vielleicht aber auch ein Artikel bei Wikipedia zu dem Thema der geschichtlichen Entwicklung der Rocklänge.


Okay, wie sieht es mit dem Wort „bedding“ (Bettwäsche) aus? Bed Bath & Beyond, Wal-Mart oder aber auch die Bettwäschesektion bei Amazon scheinen logische Kandidaten im Rennen um den ersten Platz des Google-Rankings zu sein.
Nun „Area rugs“ (Teppiche)? Hier wären Crate&Barrel, Home Depot, Sears und Pier 1 Möglichkeiten oder eben eine Website mit dem Bergiff „Area rug“ im Namen z.B. arearugs.com.

Bestimmt können Sie sich duzende Anwärter für jede dieser Suchanfragen vorstellen. Jedoch tauchte in den letzten Monaten ein Name mit verblüffender Regelmäßigkeit an erster Stelle der Suchergebnisse von Google auf: J.C.Penney.
J.C.Penney ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit rund 1.100 Filialen in den USA. Das Sortiment umfasst sowohl Kleidung, Schuhe, Schmuck, als auch Möbel oder Gesundheitsprodukte.

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Nicht nur für die Begriffe „Area rugs“, „dresses“ und „bedding“ erschien J.C.Penney als erstes Suchergebnis der Google-Suche, sondern auch für Suchanfragen wie „skinny jeans“, „home decor“ (Innendekoration), „comforter sets“ (Daunendecken-Sets), „furniture“ (Möbel) und unzählige andere Wörter und Phrasen. Von allgemeinen Begriffen wie „tablecloths“ (Tischdecken) bis hin zu sehr spezifischen Suchanfragen, wie „grommet top curtains“ (Vorhänge mit einer Durchzieh-Öse oben).
Diese auffallend erfolgreiche Performance hielt über Monate hinweg an, am deutlichsten konnte man dies in der Vorweihnachtszeit bemerken- der Zeit, in der die Absätze im Online-Shopping am höchsten sind. J.C.Penney lies selbst die Internetauftritte der Hersteller, bei der spezifischen Suche nach deren Produkten, hinter sich. Suchte man beispielsweise nach „Samsonite carry on luggage“ (Samsonite Handgepäck), erschien monatelang J.C.Penney als das erste Suchergebnis, noch vor dem Hersteller Samsonite.com.

Mit über 1.100 Filialen und einem Umsatz von $17,8 Milliarden in Jahr 2010, gehört Penney sicherlich zu den wichtigsten Akteuren des amerikanischen Einzelhandels. Jedoch ist das erklärte Ziel der Google-Suche, jede Ecke des Internets nach den relevantesten Seiten zu durchforsten.

Sagt das gesammelte Wissen des Webs wirklich, dass J.C. Penney die wichtigste Website für die Suchanfrage „dresses“ bereitstellt? Und „bedding“? Und „area rugs“? Neben duzenden anderen Begriffen?

Die „New York Times“ beauftragte Doug Priece, einen Experten  auf dem Feld der Online Suche von  Blue Fountain Media New York, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, ebenso wie der erstaunlichen Suchanfragen-Performance von J.C. Penney während der letzten Monate. Was er herausfand weist darauf hin, dass es sich bei der in der heutigen Zeit alltäglichen Handlung, der Google-Suche, oft um nichts anderes als um Machenschaften handelt, die Schicht für Schicht zu Tage treten. Diese Machenschaften beginnen in der weiten Unterwelt der sogenannten „black hat“-Optimierung. Der dunklen Kunst, das Profil einer Website mit Methoden, die von Google als betrügerisch bewertet werden, an die Spitze der Suchergebnisse zu befördern.

Trotz der Cowboy-Verbrecher-Assoziation sind „black-hat“-Dienstleistungen meistens nicht illegal, handeln jedoch mit dem Risiko, den Zorn von Google auf sich zu ziehen. Das Unternehmen zieht eine strikte Linie zwischen Techniken, die als irreführend gelten, und „white hat“-Lösungsansätzen, welche von hunderten Beratungsunternehmen angeboten werden und richtlinienkonforme Wege, die Sichtbarkeit einer Website zu erhöhen, darstellen. Die Penney Ergebnisse kamen, laut Doug Priece, durch Methoden von der falschen Seite zustande. Er beschreibt die Optimierung als einer der ambitioniertesten Versuche, die Google Suchergebnisse zu manipulieren, die er je gesehen hat.

„Eigentlich war es der ehrgeizigste Versuch, der mir je untergekommen ist. Die ganze Sache hat mich schlichtweg umgehauen. Besonderst wenn man bedenkt, um was für ein großes Unternehmen es sich handelt. Da sollte man doch davon ausgehen, unter den Angestellten gäbe es einige, die es besser wissen.“

Um die Strategie zu verstehen, welche Penney in der Top-Position bei so vielen verschiedenen Suchanfragen gehalten hat, muss man sich bewusst machen, wie Webseiten bei der Google-Suche aufsteigen. Wir reden hier über die natürlichen Suchergebnisse, also diejenigen, bei denen es sich nicht um bezahlte Werbung handelt. Der Google Algorithmus bezieht dutzende verschiedene Kriterien mit ein (offiziel über 200 Faktoren), um die natürlichen Suchergebnisse zu ermitteln. Viele dieser Kriterien werden von Google geheim gehalten. Ein wichtiges Kriterium jedoch sind Links von einer Seite auf eine andere.

Angenommen man hat eine Webseite über “chinesische Küche”. Dann wird sich diese Seite im Google Ranking verbessern, wenn mehr Links auf diese Seite verweisen, insbesondere von relevanten Seiten, also Seiten die sich mit derselben Thematik befassen. Google misst so die Beliebtheit einer Seite, indem der Link zu einer anderen Seite als Bestätigung für diese Seite gilt.

Aber auch Links von Seiten, die absolute nichts mit chinesischer Küche zu tun haben, können die Platzierung der Seite verbessern, wenn es genügend sind. Hier kommen wir zur der Strategie, die Penney geholfen hat. Jemand bezahlte dafür, dass tausende Links auf hunderten Seiten verteilt im gesamten Web platziert wurden, die alle direkt zu JCPenney.com verwiesen.
Wer war das? Eine Sprecherin von J.C.Penney, Darcie Bossart bestritt, dass das Unternehmen irgendetwas mit der Sache zu tun hat.

„J.C. Penny hat niemand dazu befugt und war nicht selbst involviert bwz. informiert über die Veröffentlichung der Links, da es gegen unsere natürlichen Suchrichtlinien verstößt.“

schrieb Darcie Bossart in einer E-Mail. Sie fügte hinzu, dass sie daran arbeiten würden, die Links zu deaktivieren.
Mit Hilfe des Online Tools Open Site Explorer, fand Doug Priece 2.015 Seiten mit Begriffen wie „casual dresses“, „evening dresses“, „little black dress“ oder „cocktail dress“. Klickt man auf einen dieser Begriffe, wird man direkt auf die Hauptseite für Kleider auf JCPenney.com weitergeleitet.

Einige dieser 2.015 Seiten haben zumindest nominell etwas mit Kleidung zu tun, die meisten jedoch gar nichts. Der Begriff „little black dress“ tauchte auf einer Seite namens casino-focus.com auf. „Cocktail dresses“ wurde auf bulgariapropertyportal.com, „Casual dresses“ auf elistofbanks.com und „semi-formal dresses“ unpassenderweise auf usclettermen.org gefunden.

Es finden sich Links zu JCPenney.com auf Seiten über Erkrankungen, Kameras, Autos, Hunde, Aluminiumfelgen, Reisen, Tauchen, Diamantbohrer, Badezimmerfliesen, Hoteleinrichtung, Online Spiele, Gebrauchsgüter, Fischfang, Adobe Flash, Glasduschkabinentüren, Witze, Zahnärzte uvm.

Einige dieser Seiten scheinen, bis auf die Links, verweist. Der Begrüßungstext auf myflhomebuyer.com klingt wie eine traurige Glückskecks-Botschaft:

„Entschuldigung, aber Sie suchen etwas, dass Sie hier nicht finden.“

Wenn man sich die unfassbar lange Liste mit Seiten mit Penney-Links anschaut, erscheint die Internetlandschaft in einer ganz neuen Topografie. Es beginnt wie eine Stadt mit einigen wenigen bekannten und gut gepflegten Gebäuden umgeben von Millionen Hütten, die zu keinem anderen Zweck errichtet wurden, als für die Werbung, die an ihren Wänden angebracht ist.
Das Ausnutzen dieser Hütten für Links ist ein absolutes Google no-go. Die Unternehmensrichtlinien warnen vor Tricks, um das Suchmaschinen-Ranking zu verbessern, einschließlich denen die als „link schemes“ bezeichnet werden. Eine Strafe, wenn man bei dem Versuch erwischt wird die Google Richtlinien zu umgehen, ist z. B. das Absinken in der Platzierung der Google-Suchergebnisse.

Das ist eine u. U. radikale Vorgehensweise. 2006 gab Google bekannt, dass BWM dabei erwischt wurde, wie das Unternehmen eine „black-hat“ Strategie nutzte, um seine deutsche Seite BMW.de zu pushen. Diese Seite wurde daraufhin mit der, wie die BCC es damals nannte, „Todesstrafe“ abgestraft (Focus-Artikel dazu). Angefangen damit, dass die Seite aus den Google-Suchergebnissen komplett entfernt wurde.

BWM räumte ein, dass sogenannte „doorway pages“, die einzig zu dem Zweck bestehen, Suchmaschinen auf andere Seiten zu leiten als Besucher, genutzt wurden. Das Unternehmen behauptete damals, es habe keinerlei Absichten gehabt die User zu täuschen und fügte hinzu:

„Wenn Google sagt, alle „doorway pages“ sind nicht erlaubt, müssen wir das zukünftig bedenken.“

J.C.Penney scheint nun das selbe Schicksal zu blühen. Seit Mittwoch war es Gegenstand der, wie Google es nennt, „corrective action“.

Letzte Woche schickte die Times Google die Beweise, die sie gesammelt hatte über die Links zu JCPenney.com. Google setzte prompt ein Interview mit Matt Cutts, dem Kopf des Google Webspam Team und ein Mann, dessen Reden, Blog-Einträge und Twitter-Updates von Akteuren der Suchmaschinen Welt zitiert werden wie päpstliche Enzykliken, an.

„Ich kann bestätigen, dass es gegen unsere Richtlinien verstößt“,

so Cutts während eines stundenlangen Interviews am Mittwoch, nachdem er eine Liste der bezahlten Links zu JCPenney.com in Augenschein genommen hat.

Laut Cutts hat Google bereits dreimal Verletzungen der Richtlinien in Zusammenhang mit JCPenney.com untersucht, das letzte Mal im November 2010. Jedes Mal wurden Schritte in die Wege geleitet, welche die Penney Such-Ergebnisse reduzieren sollten. Cutts vermied hier das Wort Strafe (Penalty). Jedoch ist Google später nicht zurück zu dem Unternehmen, um zu prüfen, ob weiterhin Regeln verletzt wurden. Er und sein Team übersahen die Kampagne schlichtweg, welche bereits die letzten drei bis vier Monate am Laufen war.

„Wünschte ich mir unser System wäre dem Ganzen früher auf die Schliche gekommen? Natürlich! Wenn man jedoch die eine Milliarde Anfragen bedenkt, die Google täglich erhält, würde ich behaupten, dass wir gute Arbeit leisten.“

Matt Cutts klang während der gesamten Unterhaltung bewundernswert optimistisch und unbeeindruckt, was eher überraschend ist, bedenkt man, dass wir über einen groß angelegten, langwierigen Versuch sprachen, seine Mitarbeiter zu täuschen. Fragte man ihn nach seiner stoischen Ruhe, sagte er, dass das Unternehmen bemüht ist, nicht von Ärger getrieben zu handeln. Man bekommt das Gefühl, Cutts und seine Kollegen seien sich der unglaubliche Macht bewusst, die sie als Richter, Jury und Berufungsausschuss in einem haben und versuchten eine Umgebung von Reife und Klugheit zu schützen.
Er fügte hinzu „Ich gehe nicht davon aus, dass ich meinen Job richtig ausüben könnte, wenn ich mich nicht angegriffen fühlen würde von Sachen, die schlecht für Google-Nutzer sind.“
„Bin ich froh, dass das alles passierte?“ fragte er später „Absolut nicht! Wird Google dagegen vorgehen? Absolut!“
Und das Unternehmen tat dies.

Am Mittwoch Abend begann Google mit einer so genannten „manual action“ gegen Penney.

Um 19 Uhr ostamerikanische Zeit war J.C.Penney noch immer Nummer eins bei der Suche nach „Samsonite carry on luggage“.
Zwei Stunden später war J.C. Penney auf Platz 71 gerutscht.

Um 19 Uhr ostamerikanische Zeit war Penney die Nummer eins bei der Suche nach „living room furniture“.
Um 21 Uhr waren sie nur noch auf Platz 68.

Mit anderen Worten: In einem Moment war J.C.Penney die Seite, die für „living room furniture“ als erstes angezeigt wurde. Im nächsten Moment waren sie sozusagen begraben.

Die Reaktion von Penney auf diese plötzliche Wendung war unter anderem die sofortige Entlassung ihrer Suchmaschinen Beratungsagentur SearchDex. Die Verantwortlichen hier reagierten weder auf Anfragen per e-Mail noch auf Telefonanrufe.
Penney veröffentlichte ein Statement, in dem sie sich enttäuscht von dem Absinken in den Suchanfragen, welches von Google eingeleitet wurde, zeigten. Brossart schrieb

„aber wir werden aktiv daran arbeiten, unsere guten natürlichen Suchergebnisse wieder zu erlangen.“

Sie fügte hinzu, dass die Links sicherlich zusätzliche Besucher auf die Seite brachten, jedoch würde es sch hierbei schwerlich um einen Glücksfall handeln. Nur sieben Prozent der JCPenney.com Besucher kämen von Klicks auf die Suchergebnisse der natürlichen Suche bei Google, schrieb sie. Eine weitaus größere Profitquelle in der Adventszeit, behauptet sie, käme von Partnerschaften mit Unternehmen wie Yahoo und Times Warner, sowie von neuen Apps.

Laut Suchmaschinen-Experten kann es jedoch gut sein, dass Penney beachtlichen Lohn durch die bezahlten Links eingeheimst hat. Stellt man sich Google als Eingang zu dem größten Einkaufscenter der Welt vor, halfen die Links Penney mehreren Millionen Online-Käufer als das erste und einladenste Geschäft zu erscheinen. Wie viel war das Ganze wert? Eine letzten Mai veröffentlichte Studie von Daniel Ruby von dem 100.000 Seiten umfassenden Online Werbenetzwerk Chitika, fand heraus, dass durchschnittlich 34 Prozent der Google-Nutzer die Seite des ersten Suchresultats besuchten, nur noch halb so viele gingen zu der Website des Zweitplatzierten.

Der Suchwort-Kalkulatur von Google schätzt die Anzahl der Suche nach „dresses“ in den USA auf 11,1 Millionen im Monat, ein Durchschnitt der auf 12 Monaten Datenauswertung beruht. Demnach hat Penney, während es als Nr.1 gelistet war, alleine für die Suchanfrage „dresses“ rund 3,8 Millionen User in Monat auf seine Seite locken können. Wie viele dieser Besuche letztendlich in einem Kaufvertrag mündeten und den Umfang der Verkäufe, weiß alleine Penney.

Noch im Januar frohlockte das Unternehmen über das vorweihnachtliche Geschäft. Kate Coultas, eine Sprecherin des Unternehmens schrieb einem Reporter „Die Internetabsätze durch JCP.com konnten im Dezember ein starkes Wachstum verzeichnen. Eine signifikante Steigerung von Verkehr und Bestellungen gab es vor allem während der vorweihnachtlichen Haupteinkaufszeiten- der Woche nach Thanksgiving und der Woche vor Weihnachten.“

Einen beachtlichen Druck gute Adventsumsätze zu liefern, wurde seitens der Investoren auf J.C.Penney ausgeübt, das gegen die schweren Zeiten im Einzelhandel zu kämpfen hatte. Bei den 17,8 Milliarde Umsatz, welche es im letzten Jahr verzeichnete, handelt es sich um genau die gleiche Zahl wie 2001. Im Januar gab das Unternehmen bekannt, dass einige Filialen, die unter Erwartung wirtschafteten, geschlossen werden, ebenso zwei der fünf Callcenter und 19 Outlets, die überschüssige Katalogwaren verkaufen.

Zusätzlich zu den Problemen des Unternehmens kommt der Rückgang des Kataloggeschäfts. Penney hat schrittweise den Katalog gekürzt und das Geld in seinen Internetauftritt gesteckt. Jedoch konnten die Verluste des Kataloggeschäfts bislang nicht durch die Expansion der Website kompensiert werden. Der Katalog brachte zu seinen besten Zeiten J.C.Penney rund vier Milliarde Umsatz. Im Vergleich: Durch die Website konnten im Jahr 1,5 Milliarde Umsatz erwirtschaftet werden.

Bernard Sosnick, ein Analyst bei Gilford Securities meinte „In den letzten 35 Jahren versuchte Penney als Kaufhaus Akzeptanz zu erlangen und während ungewöhnlich guten Zeiten gelingt ihnen das richtig gut. Aber in wirtschaftlich schlechteren Zeiten werden sie von Kunden abgestraft, die sich bei Käufen zurückhalten, nachdem sie übermäßig viel ausgegeben hatten.“

Viele Besitzer von Webseiten mit Links zu JCP.com scheinen ihre Unerreichbarkeit zu genießen. Aber es gab auch Ausnahmen, z.B. cocaman.ch („Geekness- closer tot he world“ lautet der kryptische Banner über der Seite). Wie sich herausstellte, gehört die Webseite einem gesprächigen 25-jährigen I.T. Security Analysten aus der Schweiz- Corsin Carnichel.

Der Begriff „dresses“ taucht in einer kleinen Linkansammlung in mitten einer größtenteils leeren Cocaman-Seite. Spricht man Carnichel auf den Link an, sagt dieser, dass der Link laut seinen Aufzeichnungen letzten April auf seiner Seite auftauchte, vielleicht auch schon früher.
Der Link gelang durch die Website TNX.net auf Carnichels Seite. Diese bezahlt ihn mit TNX-Punkten, welche er für Links, die Verkehr auf seine andere Seite leiten, wie beispielsweise cookingutensils.net. Carnichel verdient Geld, wenn die User, die seine Seite besuchen, auf die Werbung klicken. Er könne auch Geld von TNX bekommen, sagt er. Zur Zeit beherbergt Cocaman.ch 403 Links, alle platziert von TNX im Auftrag von Kunden.

“Man verdient recht gut”, schrieb er im Bezug auf seine Einnahmen von dem Links-Handel

„Die Sache ist die: je mehr Zeit und Geld man investiert, desto bessere Ergebnisse kann man erzielen. Momentan verdiene ich genug, um mir neue Testdevices für meine Android Apps (rund $150/Monat) zu kaufen, ohne jeglichen Aufwand. Ich muss mich um nichts kümmern. Die Werbung steht einfach da und wenn die Besucher meiner Seite darauf klicken, verdiene ich Geld.“

Versuche TNX selbst per E-Mail zu kontaktieren, blieben erfolglos.

Einen Anbieter von so genannten „black-hat“-Leistungen persönlich zu interviewen, war eine aufwendige Unternehmung. Es handelt sich um einen zurückhaltenden Haufen. Ein Spezialist auf dem Gebiet des Link-Kaufs namens Mark Stevens, der jegliche Verbindung in Angelegenheit des J.C.Penney Link-Kaufs abstreitet, stimmte einem Gespräch zu. Er tat dies unter der Bedingung, dass der Name seines Unternehmens nicht erwähnt wird. Eine nachvollziehbare Vorsichtsmaßnahme, wenn man bedenkt, was vor einigen Monaten passierte, nachdem sein Unternehmen offensichtlich den Ärger Googles auf sich zog.

„Es war meine eigene Schuld“ gesteht Stevens ein. „Ich habe eine Stelle auf einer Stanford Engineering Absolventen Mailliste ausgeschrieben. Darin erwähnte ich den Name unseres Unternehmens, ebenso wie eine kurze Beschreibung unserer Tätigkeit. Ich gehe davon aus, dass einige Google-Angestellte auf die Anzeige aufmerksam wurden.“ Innerhalb von Tagen, war das Unternehmen in der Google-Suche nicht mehr zu finden.

“Selbst wenn man den Namen unseres Unternehmens wörtlich in das Suchfeld eingab, wurden wir nicht gefunden. Ansonsten konnte man uns überall finden, wenn man unsere Webadresse wusste. Aber was die Suche anging, waren wir einfach verschwunden. Das Unternehmen arbeitet mittlerweile unter einem neuen Namen und hält sich mit Auskünften bedeckt, selbst innerhalb des Gebäudes, in dem es angeblich ein Büro hat. Die Vermieterin des gläsernen halbhohen Gebäudes an der Route 101 in Kalifornien sagt, sie habe noch nie von der Firma gehört.

Stevens stimmte einem Treffen zum Abendessen auf Kosten der Times Mitte Januar zu. Dem Angebot, ein „gutes Restaurant“ in seiner Nachbarschaft auszuwählen, kam er insofern nach, als dass er ziemlich frech ein modernes französisches Bistro in Palo Alto wählte, das ein acht Gänge Menu für $118 anbot. Flüssiger Stickstoff und ein „Märchenkürbis“ waren zwei der Bestandteile.

Es stellte sich heraus, dass es sich bei Stevens um einen knabenhaft aussehenden, 31-jährigen, gebürtigen Singapurer handelt (Der Name Stevens sei der Name, den er bei der Arbeit benutzt, er habe einen chinesischen Nachnamen, den er uns nicht verraten hat). Er spricht mit einem unauffälligen Akzent und in einem aufgeregten Flüstern, wie jemand, der Mithörer befürchtet. Er beschreibt seine Arbeit mit der Art eines begeisterten, bösartig grinsenden Studenten, der gerade eine Stinkbombe versteckt hat.

„Der Schlüssel ist, dass die Kampagne langsam anzugehen“, erklärt er, an getrockneter Entenstopfleber knabbernd. „Viele Unternehmen handeln überstürzt. Sie wollen so viele Links wir besorgen können, so schnell wie möglich. Aber Google würde dies entdecken. Es markiert eine Website, die von Null auf mehrere Hundert Links in einer Woche geht.“

Der schwerste Teil beim Geschäft mit dem Link-Verkauf ist an die wohlhabenden, großen Kunden zu kommen. Es scheint, als befürchteten viele von ihnen erwischt zu werden. Des Weiteren ist es schwierig, qualitativ hochwertige Seiten zu finden, auf denen man die Links platzieren kann. Wer auch immer für die JCPenney.com Kampagne verantwortlich war, meinte er, vertraute auf einige billige, spammige Seiten, die Art von Seite mit niedrigen „PageRanks“, wie Google seine patentierte Maßeinheit bezüglich die Qualität einer Seite nennt. Umso höher der „PageRank“, desto besser für die Seiten, die auf ihr verlinkt sind.

“Die Seiten, die TNX am häufigsten benutzte, haben einen niedrigen „PageRank”

meint Stevens.

Laut ihm bekommen die meisten Besitzer von Internetseiten bzw. Publisher von Internetseiten, wie er sie nennt, eine geringe Vergütung für jeden Link. Dieser Geschäftsvorgang wird komplett über das Internet ausgeführt.
Publisher können bestimmte Keywords und Links ablehnen, so würden einige bei einem Unterwäsche-Link zurückschrecken, jedoch sei für die meiste Zeit das System in einer Art im Autopilot. Ein Kunde bezahlt Stevens und seine Kollegen für Links die übers Internet verteilt werden. Die Publisher werden per PayPal vergütet.

Man könnte meinen, Stevens hätte zumindest eine gewisse Verachtung gegenüber Google, bedenkt man, dass er seine Arbeitszeit damit verbringt, Mittel und Wege zu finden, um Google zu hintergehen. Im Verlauf des Abends erwähnte er jedoch, wie viel Ehrfurcht er vor dem Unternehmen und der Qualität der Suchmaschine hat.

Wie rechtfertigt er dann seine Versuche diese zu untergraben?
“Ich denke, wir müssen an dieser Stelle zwei verschiedene Arten von Suche unterscheiden, die, um sich zu informieren und die kommerzielle.“ so Stevens „Wenn man nach dem Wort „Cancer“ (dt. Krebs) sucht, ist dies eine Suche, um sich zu informieren, und in diesem Bereich ist Google fantastisch. Was jedoch die kommerzielle Suche angeht, sind die Google-Ergebnisse verunreinigt. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass meiner Meinung nach immer derjenige an erster Stelle steht, der das größte Budget für Suchmaschinenoptimierung hat.“

Für ihn ist SEO ein Spiel und wenn man nicht gewillt ist „black-hat“-Methoden zu nutzen, verliert man gegen Konkurrenten mit weniger Gewissensbissen.
Warum ist es Google nicht gelungen, diese Kampagne, die ja Monate lang im Gange war, früher aufzudecken? Einer Kampagne, die einem Unternehmen zu Gute kam, gegen das Google bereits drei mal vorgegangen war? Und sich zudem auf eine Anzahl von Websites verlassen hat, die nicht gerade ihr Spamming zu verbergen versuchten?

Cutts betonte, dass es 200 Millionen Domainadressen und gerade mal 24.000 Beschäftigte bei Google gibt.
„Spammer hören nie auf.“ sagt er. Gegen diese Spammer anzukämpfen sei ein Job, der niemals endet und ein Job in dem Google immer besser und besser wird, glaubt Cutts.

Es gibt aber noch eine andere Hypothese, eine für Verschwörungstheoretiker. Im letzten Jahr erhielt Advertising Age ein Google Dokument, welches einige der größten Werbetreibenden aufgelistet hatte, unter anderem AT&T, eBay und ,genau, J.C.Penney. Laut dem Dokument, gab das Unternehmen monatlich $2,46 Millionen Dollar für die bezahlte Suche bei Google aus. Die bezahlte Suche ist die, welche man neben den natürlichen Suchergebnissen sieht.

Ist es möglich, dass Google eine großflächige “black-hat”-Kampagne tolerierte, da es sich bei dem Profitierenden um einen seiner wichtigsten Werbetreibenden handelte? Funktionäre der Europäischen Union versuchen gerade, diese Art Fragen hinsichtlich eines möglichen Kartellmissbrauchs von Google zu erklären.

Ermittler haben Werbenden in Europa unter anderem Fragen wie diese gestellt:

„Bitte erläutern Sie, ob und wenn ja, wie genau sich der Betrag, den Sie für Werbung bei Google ausgegeben haben, Ihren Rang in der natürlichen Suche bei Google beeinflusst hat.“

und

„Hat Google Ihnen gegenüber jemals erwähnt, dass eine Erhöhung der Werbeausgaben Ihre Platzierung innerhalb der natürlich Suche von Google verbessern könnte?“

Gefragt, ob Penney durch den hohen Werbeetat bei Google irgendeinen Aufschub bekommen hat, antwortet Cutts „Das kann ich kategorisch ausschließen“. Leidenschaftlich erläutert er Googles Zusage, die finanzielle Seite des Geschäfts von der Such-Seite zu separieren. Das eine habe keinerlei Einfluss auf des andere.

„Wenn Sie mich nach fünf Namen von Entwicklern im Advertising Team von Google fragen würden, bezweifle ich, dass ich Ihnen diese nennen könnte.“ sagte Cutts „Es gibt da ein altes Google Sprichwort

„Wir werden uns nicht um kurzfristige Umsätze sorgen.“

Er fügte hinzu, „Wir bauen auf das Vertrauen unserer Nutzer. Wir sind uns der Verantwortung ihnen gegenüber bewusst.“
Zusätzlich merkte er an, dass bevor die Times Hinweise auf die bezahlten Links zu JCPenney.com hatte, Google angefangen hat eine Änderung des Algorithmus vorzunehmen, der einen negativen Effekt auf die Suchergebnisse von Penney gehabt hätte.

Es stimmt, die Platzierung von JCPenney.com hatte seit dem 8. Februar ein wenig abgenommen, der Tag an dem die Änderung des Algorithmus zu wirken begann. Für den Begriff „comforter sets“ fiel Penney vom ersten Platz auf den Siebten. Für „sweater dresses“ gings von Position eins auf Position 10.
Richtig zu spüren bekam Penney den Schaden jedoch erst, als Google anfing, manuell gegen die Kampagne vorzugehen. Das Absinken kann nachverfolgt werden:

Am 1. Februar war die durchschnittliche Platzierung von Penney bei 59 Begriffen 1-3.

Am 8.Februar, als der Algorithmus geändert wurde, war es der vierte Rang.

Am 10. Februar lag Penney im Durchschnitt nur noch an 52. Stelle.
Cutts sagte, er beabsichtigte nicht über die Sache mit Penney zu berichten, wie er es 2006 im Fall BWM getan hatte. Selten würde er ein Unternehmen öffentlich herausheben, da Googles Ziel sei, die Seriosität der Ergebnisse zu wahren, nicht Menschen bloß zustellen.

„Aber nur, weil wir nicht darüber reden, heißt das nicht, dass wir keine gewichtigen Maßnahmen einleiten“

betonte Cutts.

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Jonas Weber

Diplom-Kaufmann Jonas Weber ist Geschäftsführer von webhelps! Online Marketing. Er ist Experte für Suchmaschinen-Optimierung und Online Marketing. Bis 2009 hat Jonas Weber beim Suchmaschinenmarktführer Google im Search Quality Team in Dublin gearbeitet. Ebenfalls war er im Online-Marketing Bereich von Konzernen wie Lufthansa und Bertelsmann tätig.

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Über Jonas Weber

Diplom-Kaufmann Jonas Weber ist Geschäftsführer von webhelps! Online Marketing. Er ist Experte für Suchmaschinen-Optimierung und Online Marketing. Bis 2009 hat Jonas Weber beim Suchmaschinenmarktführer Google im Search Quality Team in Dublin gearbeitet. Ebenfalls war er im Online-Marketing Bereich von Konzernen wie Lufthansa und Bertelsmann tätig.

8 Gedanken zu „Die schmutzigen kleinen SEO-Tricks

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  2. Ramses Revengeday

    Wow erstmal danke für die Übersetzung von dem ganzen Artikel, das ist echt eine dicke Nummer die sich die Firma da leistet, und jetzt soll noch jemand sagen SEO sei Tot. ;D

  3. Sven

    Interessanter Artikel, allerdings teilweise schwer zu lesen, an manchen Stellen ging wohl die Bedeutung bei der Übersetzung ins Deutsche verloren…

  4. Sven

    z.B.
    “Die Links weisen keinerlei “Fingerabdrücke” auf, ansonsten war nichts an ihnen besonders dezent.”
    oder
    “Einige dieser Seiten scheinen, bis auf die Links, verweist.”
    Den letzten Satz habe ich aber nun verstanden, das soll wohl “verwaist” heißen ;)

  5. Arne

    eigentlich erstaunlich mit wie wenig Aufwand – rund 2000 Links zu setzen klingt im ersten Augenblick gar nicht so aufwendig- es gelingt die heilige Kuh von goolge (den Algorithmus) zu irritieren. Ranking auf Position 1 im Weihnachtsgeschäft bei umsatzstarken Keywörtern spült nebenbei Millionen an Umsatz in die Kassen – die nächste Bilanzveröffentlichung wird es zeigen – da scheint jeder Dollar gut investiert gewesen zu sein.

    Spannend bleibt die Frage nach dem Fortlaufe der Geschichte – Hase und Igel – was kommt als nächstes von JCPenney und wie reagiert google dann darauf. Schließlich wird man sich die Strafe ja nicht auf dauer gefallen lassen! Hoffentlich folgt eine Fortsetzung durch die Times!

    Danke für die Übersetzung

  6. Ulrich

    Ja manchmal fragt man sich ob es was bringt mühevoll Links auf renomierten Seiten zu sammeln und nicht lieber stattdessen versuchen sollte einfache Links auf eher unbekannten Seiten zu bekommen.

    Guter Artikel (auch für die Winterzeit 2012 ;) )

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